Eristokratie

Forschungszentrum für Diskordische Spiritualität und Wissenschaft.

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Eristokratie

Beitragvon Bwana Honolulu » 23.07.2010, 13:24

Ein echter Klassiker, der mein Einstieg zu Diskordianismus war und der meiner Meinung nach nirgends fehlen darf:
St. Stropharius Der Kubische, Papst der IDR (»Illuminiert das Ruhrgebiet«)-Kabale / Dortmund-Emscher, POEE hat geschrieben:Eristokratie
Diskordischer Empirismus, rein metaphorisch gesprochen eine Varianz der undogmatischen, psychoanalytisch zu verstehenden, interpretativen Form der literarischen Konfusion. Nicht zu verwechseln mit analytisch geprägter, ästhetisch stilistischer Verwirrung, sondern eher eine Form der unkonfessionellen, dogmatischen Religionshörigkeit mit durchaus nicht zu unterschätzenden fanatischen Tendenzen.
Ausdiskutiert formuliert ist der diskordische Empirismus Ausdrucksform der akademisch-hermeneutisch orientierten ontologischen Form der Nichtinterpretation interpretierter und nicht interpretierter Texte diskursivitätsbegründeter Autoren, deren Aufgabe zu sein scheint, Verwirrung zu einem zentralen Punkt humanoider Systematik zu gestalten.
Frei nach dem Heidegger-Leitsatz: Dem Sein im Sein geht es um sein Sein selbst!
Fassen wir zusammen: Imaginär sind Wahnvorstellungen und unbewußte Strömungen eines Subjekts unabhängig von seinen freien, menschlichen Konklusionen, auf dem literarisch anspruchsvollen Hintergrund der unbewußten Psychoanalyse. Hermeneutisch ist die Tradition der Eristokratie eine alte Interpretationstechnik für Homer (Wir wissen heute, daß die alten Griechen durchaus Probleme hatten, Homer zu verstehen).
Im Zusammenhang mit der originesischen Patristik, nach der die Sprache einen 3-4fachen Sinn ergeben sollte, ziehen wir hier die Lutherische These vor, nach der der Sinn der Sprache aus sich selbst heraus entsteht und dieser fünffach ist.
Anfang des 19. Jhds. entwickelte Schleiermacher neue Interpretationsregeln, indem er versuchte, aus dem Text heraus das Ich im Du zu finden. Leider waren seine Bemühungen erfolglos, denn die von Lorenzer geprägte Tiefenhermeneutik formte zu dieser Zeit erstmals die Idee der eristokratischen Hermeneutik, in Verbindung mit der Diltheyschen (1833 - 1911) wissenschafts-historischen Teilung von Natur- und Geisteswissenschaften.
Wissenschaft wurde somit zu einem Machtproblem.
Dieses Machtproblem öffnete dem Freudschen Ödipuskomplex natürlich alle Türen, doch 1897 formulierte Willhelm Fleiß:
„Die griechische Sage greift einen Zwang auf, den jeder anerkennt, weil er es in sich verspürt. Daher die komprimierte Gesamtheit seiner positiven Form als Gegensatz zur negativen Umkehrung.“ Seine revolutionären Thesen zu diesem Thema ermöglichen uns heute zu erkennen, daß die gewaltvolle Verdrängung menschlicher Triebfedern und Rivalitätsneurosen nur eine aufgeschobene Form der Vernichtung darstellen können.
Eine massive Uminterpretation ist nicht nur These, sonder oberstes Gebot der eristokratischen Konfusionstirade.
Die zentrale Gegebenheit der Inzestschranke läßt sich hier keinesfalls von der Hand weisen!
Natur wird überführt in Kultur. Erfolgreiche Ödipalisierung infernalisiert hier das Zentrum der feindischen Mystifizierung konzeptioneller Psychologiemodelle, verstanden als individuell psychischer Entwicklungsprozess.
Schon Freud verschaffte das diskordisch eristokratische Konzept Ruhm und Anerkennung im modellhaft individuellen Sinne. Aber auch dieses Geschehen ist nur eine Form der Überlagerung von erzählten Geschichten auf dem Gebiet des tierischen Magnetismus, einem Vorgänger der Psychoanalyse als frühe Form der Hypnosepraxis.
Die wirklichen Amnesien vulnerbler Erzählungen sind durchaus mit Zweifel behaftet, dies zeigt eindeutig, daß es unmöglich ist eine präzise Analyse der eristokratischen Diskordavistik zu postulieren, doch halten wir eine Parallelentwicklung dieser These für durchaus möglich.

Dazu gibt es noch ein Addendum:
Tarvoc hat geschrieben:Ergänzung dazu: Nicht nur die Geschichte, sondern auch die Geschichtsschreibung selbst (inklusive natürlich ihrer eigenen Geschichte und der Schreibung dieser, etc.) muss umgeschrieben werden; das gilt für den Bereich der Ideengeschichte und ihrer Geschichtsschreibung ebenso wie für den Bereich der Institutionengeschichte, der Geschichte der Klassenkämpfe, etc. sowie die jeweiligen Paradigmen ihrer Verfassung. Geschichte ist nichts im Voraus Festgelegtes, sondern etwas durch die Form der Geschichtsschreibung selbst retroaktiv Konstruiertes, wobei eine bestimmte Form der Geschichtsschreibung selbst allerdings wieder als Ergebnis geschichtlicher Prozesse geschrieben werden kann - und so fort. Während das 20. Jahrhundert die Geschichte der sich selbst und ihr Objekt (also die Geschichte) als auf ein in ferner Zukunft liegendes utopisches Ziel zulaufend denkenden Geschichtsschreibung war, wird das 21. Jahrhundert die Geschichte der retroaktiven Umschreibung seiner eigenen Geschichte sein. Dabei geht es nicht darum, historische Fakten zu verfälschen, sondern darum, die ungenutzten Möglichkeiten und Potentiale vergangener Situationen freizulegen: die Vergangenheit wird so zum Paradigma der Gegenwart. Ein prägnantes Wort dafür könnte "Retro-Utopie" sein. Auch hat das nichts mit gesellschaftlicher Reaktion oder Konservatismus zu tun, da eine Neuschreibung genausogut auch emanzipatorisch sein kann: Von Interesse für uns sind daher gerade emanzipatorische Großereignisse wie z.B. Revolutionen, schon aufgrund ihres oftmals chaotischen Charakters, aber auch der Fülle des Möglichkeitsraums, den sie eröffneten. Gerade für den Diskordianismus bieten sich hier bislang noch völlig ungeahnte Möglichkeiten. Da er selbst ein Ergebnis der retroaktiven Umschreibung eines bestimmten Teils der altgriechischen Mythologiegeschichte (oder Geschichtsmythologie) darstellt, stellt er in gewisser Weise selbst bereits eine retroaktiv konstruierte Form der Geschichtsschreibung, eine "Retro-Utopie" dar.
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Re: Eristokratie

Beitragvon tarvoc » 24.07.2010, 11:18

Vielleicht schreibe ich in den nächsten Tagen mal einen Text zur genaueren Ausdifferenzierung von Utopie, Realutopie, Retroutopie und Heterotopie, weil ich glaube, dass das hier noch geklärt werden müsste. (Die Dystopie ist eigentlich nur ein Spezialfall der Utopie, die im Umfeld ihrer Rezeption als Warnung und nicht als Verkündigung aufgenommen wird. Ob es auch Realdystopien gibt, wäre noch zu erforschen.)
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