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 Betreff des Beitrags: Re: Einmischungspolitik
BeitragVerfasst: 20.06.2010, 13:02 
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Tarvoc hat geschrieben:
Dass es unzählige Faktoren gab, streite ich nicht ab. Ich sage nur, dass die Ethnien ein Konstrukt aus der Kolonialzeit sind. Und das sind sie nunmal - selbst wenn es vorher irgendwelche gesellschaftlichen Differenzen gegeben hat (und die wird es sicher gegeben haben). Was ich weiterhin sage, ist, dass unser begrifflicher Apparat, mit dem wir die Geschichte des vor-kolonialen Ruandas schreiben, notwendigerweise ein kolonialer Apparat ist. Ethnien entstehen und erhalten sich überhaupt nicht einfach von selbst, sondern sie werden in jeder neuen Generation durch neue Symbolisierung neu erschaffen. Was ich also mit anderen Worten sage, ist, dass Ethnien keine historisch oder natürlich einfach gegebenen, sondern politisch-ideologische Größen sind. Es gibt keine Ethnizität außerhalb den Formen ihrer Symbolisierung, und diese Formen dienen verschiedenen Interessen. Cui bono?


Oh jetzt verstehe ich was du meinst -_- Aprobos wegen politisch-idiologisch "Man hat die Tutsis als Minderheit und wegen ihrem Aussehens in Schlüsselpositionen gehieft". V. hundert Jahren galt ja je weißer desto überlegener und da die Tutsis nunmal angeblich aus dem Äthiopischen Hochland kamen wirken sie im Gegensatz zu den Tutsis "europäischer". Nachdem Abzug der Belgier kämpften die Hutus darum, die Vorherrschaft der Tutsis zu brechen und durch eigen Dominanz zu ersetzen.
Als ob Steirer gegen Kärntner kämpfen^^ Oder Blonde gegen Brünette......

Vicky hat geschrieben:
Tutsi und Hutu besiedelten das Land übrigens aus unterschiedlichen Regionen, da sie wirklich 2 verschiedene Völker sind....

Tarvoc hat geschrieben:
Nicht nur die Korrektheit, sondern auch die Relevanz dieser Behauptung ist mehr als fraglich.


Das behauptet zumindest Jarred Diamond in seinem Buch Kollaps ISBN-10: 3-596-16730-2 Verlag Fischer
Bei meiner Suche im Internet stiess ich wieder auf gegenteilige Behauptungen : Da bsw.

Aber die beste Erklärung lieferte mir das da so gesehen sind Hutus und Tutsi nicht viel mehr als eine Erfindung der Kolonialmächte.

Tarvoc hat geschrieben:
Cui bono?


Den Besatzern.....

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 Betreff des Beitrags: Re: Einmischungspolitik
BeitragVerfasst: 20.06.2010, 13:35 
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Victoria hat geschrieben:
Als ob Steirer gegen Kärntner kämpfen^^ Oder Blonde gegen Brünette...

Ja, so ungefähr. Wobei es eben so war, dass die "ethnischen" Identitäten über die Jahrzehnte hinweg nach wechselnden Kriterien konstruiert und dann irgendwann im Pass fixiert wurden. Womit ich nicht sage, dass Ethnizität nicht auch ein Teil der "primären" symbolischen Identifikation werden kann. Wenn ständig in "ethnischen" Kategorien gedacht und gehandelt wird, beginnen die Leute irgendwann, sich selbst als unterschiedliche "Ethnien" wahrzunehmen. So gesehen "gibt" es dann die Ethnien. Nur halt als politisch-ideologisches Phänomen und nicht als historisches oder biologisches.

Victoria hat geschrieben:
Tarvoc hat geschrieben:
Cui bono?

Den Besatzern.....

Klar, denen zuerst. Ich meinte die Frage in einem etwas umfassenderen Sinne. Es ist ja auch nicht ganz uninteressant, dass die ethnische Symbolisierung nach dem Ende der Besatzung beibehalten wurde, sich noch vertiefte und andere Konfliktlinien in der Gesellschaft (z.B. religiöse, politische, ökonomisch-soziale, etc.) überlagern und z.T. sogar in sich aufnehmen konnte. Auch dahinter stehen gesellschaftliche und politische (und vielleicht sogar ökonomische) Interessen, wobei Ideologie natürlich auch nicht einfach auf sie reduziert werden kann (weil die Produktion von Symbolisierung auch Produktion ist).

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 Betreff des Beitrags: Re: Einmischungspolitik
BeitragVerfasst: 20.06.2010, 19:01 
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Tarvoc hat geschrieben:
Ich meinte die Frage in einem etwas umfassenderen Sinne. Es ist ja auch nicht ganz uninteressant, dass die ethnische Symbolisierung nach dem Ende der Besatzung beibehalten wurde, sich noch vertiefte und andere Konfliktlinien in der Gesellschaft (z.B. religiöse, politische, ökonomisch-soziale, etc.) überlagern und z.T. sogar in sich aufnehmen konnte.


Wenn 10 % der Bevölkerung nur durch Kalkül einer fremden Besatzungsmacht zur Elite eines Landes wurde, wird sie das nicht so ohne weiters wieder abgeben. Diese Trennung war lange gesehen äußerst praktisch für die Tutsis - verzeih mir meinen Opportunismus - nicht die besten und fähigsten kamen an die Schaltstellen der Macht, nur die mit dem richtigen Vermerk im Perso. Der Mensch ist nicht immer sozial, er ist vorallem Egoistisch.

Als Vergleich könnte man in unserer Geschichte den Adel vs. Volk als Beispiel hernehmen ?

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 Betreff des Beitrags: Re: Einmischungspolitik
BeitragVerfasst: 20.06.2010, 23:43 
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Victoria hat geschrieben:
Wenn 10 % der Bevölkerung nur durch Kalkül einer fremden Besatzungsmacht zur Elite eines Landes wurde, wird sie das nicht so ohne weiters wieder abgeben.

Richtig. Wie bei der Fortführung des kolonialen Diskurses Interessen der Tutsi eine Rolle spielten, könnte man durchaus mal untersuchen. Auch ist nicht auszuschließen, dass es auch innerhalb der Hutu Gruppen gab, die ein Interesse daran hatten, diesen Diskurs aufrecht zu erhalten.

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